Samstag, 10. Oktober 2009

Nobelpreis der Chemie 2009

Der diesjährige Nobelpreis der Chemie ging – wiedermal - an Biologen. Die haben nämlich keine eigene Nobelpreiskategorie und so kommt es immer wieder vor, dass sie sich den der Chemiker schnappen. Dieses Jahr wurde er verliehen an Ada Yonath vom Weizmann-Institut in Israel, Venkatraman Ramakrishnan aus Cambridge und Thomas Steitz von der Yale-Universität. Diese drei Herren haben nämlich einen Grundbaustein unserer DNA entschlüsselt und zwar den Weg vom Gen zum Protein.

Zur Erinnerung an die Schulzeit: Proteine bestimmen die Struktur der Gewebe, kontrollieren Reaktionen in unserem Körper, verarbeiten unsere Nahrung, transportieren Stoffe und steuern als Hormone unseren Körper. Kurz gesagt ohne sie könnten wir nicht leben. Sie sind die fleißigen Bienchen in unserem Körper – die Multitalente. Zumindest wenn man sie alle zusammen betrachtet.
Einzeln hat jedes Protein seine eigene Aufgabe – sie sind sowohl die Werkzeuge, die von den Zellen selbst hergestellt werden, übernehmen aber auch Leitposten, die von der jeweiligen Zelle gewählt werden (als Hormon beispielsweise haben sie eine Menge Macht über den Körper).

Die Werkzeuge werden in den körpereigenen Fabriken hergestellt bzw. im körpereigenen Komitee werden die Leitposten bestimmt. Ribosomen sind sowohl diese Fabrik, als auch das Komitee in den einzelnen Zellen.

Schon in den fünfziger Jahren wurde ein Nobelpreis verliehen zum Thema Ribosomen – damals wurden sie erstmalig unter dem Mikroskop entdeckt. Unsere drei Biologen aber haben als allererste verstanden wie ein Ribosom aufgebaut ist und wie es arbeitet.
Wobei die generelle Arbeitsweise auch schon eine Weile bekannt ist. Im Biounterricht wurde uns schon erklärt, dass die mRNA (der „Messenger“) sich an das Ribosom andockt. Auf ihr sind die Aminosäuren verschlüsselt – diese werden vom Ribosom aneinander geheftet bis alle Bausteine ein Protein ergeben.

Soweit also nicht allzu viel Neues, nur ein paar Erkenntnisse über die Details. Neu allerdings ist die Struktur des Ribosoms. Nachdem man einen Kristall aus Ribosomen gezüchtet hatte, bestrahlte man diesen mit Röntgenstrahlen. Mit Hilfe eines Beugungsmusters konnte man nach und nach auf die räumliche Struktur schließen.
Ada Yonath hat übrigens Jahre lang am Max-Planck-Institut in Berlin gearbeitet und dort schon Ribosomenkristalle gezüchtet. Später hat sie in Hamburg die Beugungsmessungen durchgeführt, aber das nur am Rande.

Nun mag die ganze „hey ich weiß wie ein Ribosom aussieht“-Geschichte nicht so interessant und wichtig erscheinen, dass sie einen Nobelpreis verdient. Doch die Entschlüsselung ist wahnsinnig wichtig für die Antibiotika-Herstellung. Man versucht die „Fabrik“ der ungewollten Eiweiße lahmzulegen, also deren Ribosomen zu attackieren. Wie in jedem Krieg versucht man sozusagen die Industrie des Gegners zu stören. Antibiotika können mithilfe der neuen Erkenntnisse viel gezielter eingesetzt werden.
Ada Yonath (*1939) ist übrigens eine Frau und somit erst die vierte Frau (von 153 Preisträgern), die den Nobelpreis für Chemie erhielt. (nach Marie Curie (1911), Irène Joliot-Curie (1935) und Dorothy Crowfoot Hodgkin (1964)) In den Bereichen der Medizin, der Literatur und des Friedens kann man erkennen, dass sich in den letzten Jahrzehnten dann doch die eine oder andere Frau unter den Preisträgern befand. In der Chemie ist Ada Yonath die erste seit 1964. Ein Jahr davor gab es den letzten (und bislang erst zweiten) Nobelpreis der Physik für eine Frau. Von wegen Gleichberechtigung. ;-)


Wo wir gerade bei unwichtigen Nebeninformationen sind: mittlerweile ist der Nobelpreis ausgeschrieben mit 10.000.000 Schwedischen Kronen (927.500€). Das ist der höchste Preis bislang. Der niedrigste war ausgeschrieben mit 114.935 Kronen (im Jahr 1923) das entspräche 11.000€.