Sonntag, 4. Oktober 2009

Die Stadt am Giftsee

Bei einer meiner nächtlichen Surftouren bin ich über ein paar Plakate gestolpert, die ich äußert interessant und vor allem amüsant fand.
Ich habe sie dann gegoogelt und habe zahlreiche andere Personen gefunden, die wohl den gleichen Gefühlen unterlagen, als sie die Plakate zu Gesicht bekamen.
Und zwar wollte die Stadt Konstanz das Jahr 2009 zum Jahr der Wissenschaften erklären und wohl gleichzeitig ein wenig Werbung für die Stadt an sich und vielleicht auch für die dort ansässige „Elite“-Uni machen.
Grundlegend blieb es wohl beim Versuch, obwohl man andererseits wahrscheinlich noch nie so viel über Konstanz geredet hat.
Es gab eine Kampagne, bei der auf mehr als 2500 Plakaten folgendes Bild abgebildet ist:

Soweit so gut… dieser Entwurf stammt wohl von einigen Designstudenten und wurde durch eine Jury gewählt.
Schaut man sich den vermeintlichen „Bodensee“ auf diesem Plakat näher an, wurde das Wasser durch Strukturformeln dargestellt.

Moment mal...Irgendetwas ist komisch an diesen Formeln...
Schauen wir uns doch die Strukturformel von Wasser noch einmal genauer an:

Das ist also Wasser – ein einziger Winkel, bestehend nur aus Sauerstoff- und Wasserstoffatomen.
Was also haben die Konstanzer auf ihr Plakat gesetzt? Mit Wasser lässt es sich schlecht benennen. Dafür hat es ein paar Ecken zu viel. In der organischen Chemie wird eine Stenographie-Schreibweise benutzt, bei der alle Ecken, die nicht bezeichnet sind, C-Atome darstellen. Also wäre die folgende Formel diejenige, die auf den Plakaten abgebildet ist:


Nun ist Kohlenstoff aber vierbindig. Zu den Wasserstoffatomen kann es keine weitere Bindung eingehen, zum Sauerstoff schon. Diese Formel, wie sie auf den Plakaten abgebildet ist, gibt es in dieser Form also nicht.
Ergänzen wir die Bindung zum Sauerstoff jedoch zu einer Doppelbindung, erhalten wir folgendes Molekül:


Dieses ist recht bekannt. Es handelt sich nämlich um Formaldehyd.
Formaldehyd jedoch ist eine recht giftige Substanz.
Die Stadt am „Giftsee“ und ihr Wissenschaftsjahr haben auf alle Fälle eins geschafft: Aufmerksamkeit erregt. Wenn auch vielleicht nicht so, wie sie es sich erhofft hatten. Das nächste Mal würde ich eine bessere Recherche empfehlen – sooo schwer ist die Formel von Wasser ja nicht. Es ist schon traurig, dass noch nicht einmal der Jury dieser Fauxpas aufgefallen ist.